AVR-Programmierung unter OS X
Atmel kümmert sich mit kostenloser Software zur komfortableren Entwicklung von Software für die hauseigenen Mikrocontroller ganz gut um seine Kunden. Wenn sie Windows benutzen.
AVR Studio (Homepage, für Windows) kann alles, was das Herz begehrt. Es ist eine Programmierumgebung für C- und Assembler-Programmierer, die zusätzlich das Hochladen und Debugging von Programmcode auf den Chip bietet. Außerdem ist ein Simulator mitgeliefert, der die Analyse des Chips mit dem man arbeitet, stark vereinfacht und veranschaulicht.
Abgesehen davon dass man, nach einer kurzen Phase der Enttäuschung darüber dass Kunden mit anderen Lieblingsbetriebssystemen nicht bedient werden, fast Neid empfindet, stellt sich nach etwas Recherche aber dann doch durchaus heraus, dass das kein Grund ist, auf Windows umzusatteln. Jeder Nicht-User von Windows hat schließlich seine guten Gründe.
Also um überhaupt erst einmal AVR-Mikrocontroller zu programmieren, braucht man Compiler, Bibliotheken, Header-Dateien, Assembler und das Tool zum Hochladen des Codes.
Toolchain
Fink-Nutzer mögen einfach die diversen AVR-Pakete installieren, das geht schnell und einfach. (Mit Paketnamen: avr-binutils, avr-gcc, avr-libc, avrdude). Ich gehe hier nicht weiter auf Fink ein, da diejenigen, die jetzt nicht wissen wie das geht oder was Fink überhaupt ist, sowieso ein paar mehr Seiten an Doku lesen müssten und da ich es selbst nicht so gemacht habe (Beispielsweise deswegen weil der Assembler den ich haben wollte meines Wissens nach nicht per Fink zu erhalten ist).
Objective Development hat ein sehr praktisches Paket herausgebracht: Das Crosspack bietet alle Tools die man braucht. Gleichermaßen für Intel-Macs wie PPC-Macs.
Jetzt steht man zwar noch ohne GUI-Tools da, aber per Konsole kann man schon losprogrammieren. Mit dem Lieblingstexteditor programmiert man drauf los, kompiliert mit “avr-gcc” oder assembliert mit “avra”, lädt das Kompilat mit “avrdude” hoch und mit selbigem Tool ändert man auch die FUSE-Werte. Das ist nicht unkomfortabel, wenn man sich mit Shellscripten und einem guten Texteditor ausrüstet. (Empfehlung: VIM – ist bereits vorinstalliert)
Allerdings fehlen noch Syntax-Highlightning, Code-Completion, Upload-Button, FUSE-Editor, Registerbrowser usw.:
Entwicklungsumgebung
Beim Crosspack sind bereits Xcode-Templates mitgeliefert, aber da ich jene nicht benutze, bleibt das nur nebenbei erwähnt.
Ich kann Eclipse wärmstens empfehlen: Es handelt sich um eine Entwicklungsumgebung, die – da Java-basiert – auf jedem Betriebssystem heimisch ist und Plugins für jede Programmiersprache und beinahe jedes Framework liefert. Sich an dieses sehr umfangreiche Programm zu gewöhnen ist eine gute Idee, da man sich damit nicht an ein Betriebssystem oder Framework oder ähnliches bindet. Die neueste Version für OS X hängt auch nicht mehr vom Carbon-Framework ab, sondern baut die Oberfläche endlich auf Cocoa auf, was viele Vorteile gebracht hat.
Um Eclipse den Umgang mit AVRs beizubringen, braucht man das entsprechende Plugin: AVR-Eclipse. Auf die Installation gehe ich nicht weiter ein, da sie nicht kompliziert ist und eine Anleitung bald ohnehin schnell veraltet sein kann. Das Wiki der Projektseite bietet eine gute Anleitung.
Als nächstes bringt Eclipse allgemein natürlich den Syntax-Parser, die Code-Completion, Syntax-Highlightning, eine schöne Organisationsstruktur für Projekte, Debuggingmöglichkeiten, Symbolbrowser und so weiter.
AVR-Plugin-spezifischer sind der praktische Upload-Button, der AVR-Device-Explorer, in dem man alle Register, Ports und Interrupts chipspezifisch einsehen kann, die Programmer-Integration (über die man den Typ des Mikrocontrollers übrigens inklusive Taktung automatisch auslesen kann) und die Möglichkeit, alles projektspezifisch einzustellen.
Bilder sagen mehr als tausend Worte:
Wer die Arbeit mit Eclipse bereits gewohnt ist, der wird dieses Plugin sicher mögen.
Wenn allerdings schnell mal ohne großes Terminal-Bla FUSEs ausgelesen/geändert, Kompilat hochgeladen oder ähnliches getan werden soll, dann ist es übertrieben, extra ein Eclipse-Projekt aufzuziehen.
Das perfekte Tool hierfür heißt AVRFuses. 
Es ist in C#.NET programmiert, was wiederum bedeutet, dass es unter Windows, Linux (mit Mono) und OS X lauffähig ist.
Da es eine Vielzahl von AVR-Chips unterstützt und an sich recht spartanisch ausgestattet (Es kann das was man braucht und mehr nicht) ist, nutzt man es am besten um schnell mal ein paar Bits zu setzen, wenn man fremde Programme in den eigenen Mikrocontroller schicken will oder ähnliches.
Die eigentlichen Features:
- Programme hochladen/auslesen
- EEPROM hochladen/auslesen
- Chip löschen
- FUSE-Bits setzen/auslesen
Screenshots:













