Heute war ich in meiner ehemaligen Schule, denn es war Abiturfeier und mein Bruder bekam sein Abiturzeugnis. Dort traf ich meinen ehemaligen Mathelehrer, welcher mir das Problem noch einmal genau erklärte.
Er erzählte mir von der gleichen Aufgabe, wie ich sie in diesem Artikel aus dem Spiegel zitiert schon einmal erwähnt habe.
Die die Abiturienten in zwei Gruppen aufteilende Teilaufgabe war die folgende:
Bestimmen Sie die Koordinaten der Eckpunkte P6 und P8 des abgebildeten Würfels. (8 Punkte)
Er erzählte von der Korrektur der Klausuren:
“Entweder man hat es gesehen oder eben nicht. 70 von 72 Schülern haben es nicht gesehen.”
Nur zwei von 72 Schülern haben es gesehen!!!
Verdammt. Das ist noch viel hohler, als ich es vorher gedacht habe. Wie viele tausend Übungsaufgaben gibt es bitte, die auf das Zusammenrechnen von Vektoren vorbereiten?
Immer wenn ich das Notebook vom Schreibtisch herunter nehme, um mich damit unters Fenster auf den Sessel zu setzen, habe ich das Problem, dass ich ja dann keine Musik mehr mit den Schreibtischlautsprechern hören kann. Wenn ich das Problem löse, indem ich die Musik nicht vom Notebook abspielen lasse, sondern vom iPod, dann muss ich aber immer aufstehen, um die Lautstärke zu verändern, das Lied zu wechseln oder die Musik einfach zu pausieren.
iPod-Docks lösen dieses Problem, denn sie haben einen Infrarot-Empfänger eingebaut, wodurch man den iPod einfach per Fernbedienung steuern kann. Damit wird das eine Problem aber nur durch ein nächstes abgelöst: So ein Dock kostet 50 Euro!!! Das kann ich mir als Student ja mal überhaupt nicht leisten.
Also durchsuchte ich vor zwei Wochen Ebay-Auktionen. Vielleicht gibt es sowas in gebraucht oder in nicht-Original. Letzteres traf zu: Ein gefälschtes Dock aus HongKong, das so aussieht wie das Original, welches aber nur drei Euro kostet. Plus sechs Euro Versand. Das macht also neun Euro und zwei Wochen warten.
Ich beschloss, das mal auszuprobieren, denn ich habe noch nie etwas direkt aus HongKong bestellt. Da ich es an meine Kölner Adresse schicken lassen habe, kam ich erst heute dazu, das Paket zu öffnen, da ich heute in Köln bin.
Was sofort auffällt und ziemlich interessant ist, ist die Tatsache, dass hinten auf dem Zollschein steht, dass die Sendung als Geschenk deklariert ist. Wenn der Zoll das so durchgehen lässt, dann ist das natürlich die günstigste Art und Weise, Waren nach Europa zu schicken.
Was mir dann aber zusätzlich auffiel: Der Warenwert (“EUR 2.00″) und die Unterschrift ganz unten (“RAP”) sind gedruckt, sehen aber nach Handschrift aus. Die Warenbeschreibung allerdings ist eindeutig mit der Hand geschrieben.
Scheinbar deklariert diese Firma den Warenwert jeder Sendung ins Ausland so und füllt lediglich das Feld “Quantity and detailed description of contents” mit der Hand aus.
Zum Produkt selbst: Man spürt das schon ein wenig, dass es sich um Billigplastik handelt, aber es funktioniert alles perfekt. Die Fernbedienung verrichtet auch fehlerfrei ihren Dienst.
Allerdings hörte man laut und deutlich im Gehäuse etwas wackeln, wenn man das Dock bewegt. Ich habe es auseinander geschraubt und festgestellt, dass eine metallische Platte im Boden verbaut ist, die das Dock mit ihrem Gewicht standfester machen soll. Das war der Übeltäter, da sie nur wackelig eingeklemmt war. Mit ein wenig Kleber ließ sich das Problem lösen. Es fühlt sich nun solide an. Pfennig-gefuchst!
Nachdem ich die Batterien durch ein Netzteil ausgetauscht habe, stand ja nun einem Mikrocontroller-Projekt nichts mehr im Weg.
Wozu braucht man einen Mikrocontroller in einem Kicker? Nun, an jedem Kickertisch sind vorne und hinten jeweils hinter dem Tor einer Mannschaft kleine Stangen verschraubt, auf die zehn Kugeln/Würfel aufgefädelt sind, die Nummern tragen. Damit zählt man die Punkte, logisch. Tor – Punktzahl zurechtschieben – Weiterspielen.
Angenommen, man empfindet es als nervig, genau das zu tun. Dieses sich-um-die-Punktzahl-Kümmern. Dann hat man den idealen Vorwand für eine Automatik, die das erledigt!
Was braucht man dazu?
• Tor-Trigger
• Anzeige für den Punktstand
• Mikrocontroller, der die Tore zählt und darstellt…
Die Tor-Trigger sind ja schon verbaut und durch den bereits eingebauten Schmitt-Trigger sind sie sogar in digitalen Schaltungen einsetzbar! Perfekt.
Während die Idee in meinem Kopf heranreifte, fielen mir noch folgende Features ein:
• Ansteuern des Soundmoduls (Schließlich war es mal der Kern der ganzen Aktion!)
• Zurücksetzen des letzten Tors (Falls es ein Unfall oder unfair war)
• Zurücksetzen des kompletten Spielstands
Die beiden Zurücksetz-Funktionen kann man problemlos an einen Druckknopf koppeln, der in den Tisch eingelassen sein kann. Ich hatte die Idee, dass der Mikrocontroller auf Knopfdruck das letzte Tor annulliert und wenn man den Druckknopf zwei, drei Sekunden gedrückt hält, das komplette Spiel auf Spielstand “0:0″ zurücksetzt. Das wäre total simpel zu bedienen. Vor allem soll der Mensch hier nicht viel interagieren, da Elektrogeräte viel schöner sind, wenn sie “einfach arbeiten”. Wie unpraktisch wäre ein Gerät, das dem Spieler die Arbeit, die Punktemarkierung ständig zu verschieben abnimmt, indem es ihm woanders neue Arbeit aufbürdet…
Okay, die Feature-Liste steht. Bevor die Phantasie erst richtig lossprudelt, sollte man sich darauf besinnen, die bestehenden Ideen erst einmal in die Tat umzusetzen. Doch womit fängt man nun an?
Die Tore zu zählen, bevor man sie überhaupt anzeigen kann, ist wenig sinnig. Damit fällt alles weg bis auf “Sound” und “Anzeige”. Ersteres läuft ja schon, also geht man am besten direkt zur Anzeige über. Die Anzeige der Punkte kann man nicht programmieren, wenn die Hardware, die die Leuchtzahlen trägt, noch nicht existiert.
Stundenlanges Durchforsten von Katalogen von CONRAD, Reichelt, ELV und so weiter hat nicht wirklich etwas gebracht. Ich wollte Digitalanzeigen verbauen, die Zahlen mit sieben Leuchtsegmenten darstellen. Sowas kennt schließlich jeder von überall her. Allerdings werden die nirgendwo in Größe “groß” zu erschwinglichen Preisen verkauft…
Kein Problem – Kann man schließlich selbst basteln. Hoffte ich. Und malte los, in welchem Format ich die Zahlen denn gerne hätte.
Eigentlich habe ich dabei nur die Größenverhältnisse meiner Digitaluhr dargestellt. Das Modell gibt es seit 30 Jahren und die Zahlen dürften so in ihrer Form demnach der Standard der Standards sein.
Ich entschied mich dazu, einfach mal eine Holzkiste mit Plexiglasfront drauf los zu bauen – die Elektronik wird da schon noch auch hineinpassen… Hauptsache es existiert erst einmal ein Display, dessen Ansteuerung man programmieren kann.
Also ab in den Baumarkt. Die Einkaufsliste:
• Ein viertel Quadratmeter (also 50×50cm) schwarze Bastelpappe
• Sekundenkleber
• Teppichmesser
• Folie mit Diffusionswirkung
• Holz für den Rahmen
• Plexiglas im Format 50×25 cm, 2 oder 3 mm dick
Diffusionsfolie habe ich keine gefunden. Allerdings habe ich im Firmenmüll gewühlt und eine Folie gefunden, die fast perfekt durchsichtig ist, aber auch die gewünschte Diffusionswirkung hat. Es war mal ein Monitor darin eingepackt. Und da es sich um einen 24-Zoll-Monitor handelte, war sie sogar groß genug.
Ich konnte nur ahnen, wie unglaublich viel Arbeit mir alleine für diesen Handwerkslastigen Teil bevorsteht. Zunächst übertrug ich die Planzeichnung des Displays auf die Bastelpappe und schnitt mit dem Teppichmesser die Bleistiftstriche entlang.
Diese einfache Maske kann nun nicht einfach von hinten mit LEDs beleuchtet werden, da die Segmente ja nicht optisch voneinander getrennt sind. Also dachte ich mir eine Konstruktion für Trennwände aus. Das war auch der nervigste Teil der Arbeit, weil man hier auf engstem Raum Trennwändchen mit der Pinzette verklebt und ab und zu die eigenen Finger zusammenkleben. Wenn ein Finger an der Konstruktion klebt, kann man ihn natürlich nicht einfach so abreißen, denn sonst geht ja alles kaputt.
Witzig ist, dass man nach einigen Stunden Arbeit und Rückenschmerzen vom über die Tischplatte gebeugten und konzentrierten Arbeiten eine extrem dicke Hornhaut an den Fingern bekommt und nur die Fingerabdrücke offenbaren, dass es sich einfach nur um eine Plastikschicht aus Sekundenkleber handelt. Abwaschen ist nicht drin. Aber man gewöhnt sich dran.
Nun ja, jetzt sind die Trennwände vorhanden und verbaut, also kann man in jede dieser nun entstandenen Kammern eine LED setzen und so müsste das Ganze als Display benutzbar sein. Aber halt: Es ist noch mehr Handwerk gefragt. Sichtglas, Holzrahmen, die Halterung der LEDs und die LEDs selbst!
Auf dem letzten Bild zu sehen: Es ist alles verschraubt, die Diffusionsfolie ist das erste Element hinter der Platte und danach folgt die Maske.
Leider war ich so naiv und habe (so genannte) Superflux-LEDs in Ein-Chip-Ausführung bestellt. Diese stellten sich als viel zu wenig leuchtstark heraus, weshalb ich in verzweifelter Hoffnung die LED-Kämmerchen mit Alufolie ausgekleidet habe (Auf dem letzten Bild zu sehen). Wer sich einen riesen Haufen Arbeit sparen will, kauft direkt LEDs in der nächst-teureren Ausführung – und tut sich damit einen riesigen Gefallen.
Wie baut man nun die LEDs ein? Ich entschied mich dafür, hinten eine Schaumstoff-Wand anzusetzen, durch die ich die LEDs durchstecke und von hinten verlöte. Vorteile: Das ist so schön einpassbar und der Schaumstoff passt sich der Maske an, so dass keine Luftspalte zwischen den einzelnen Kammern entstehen. Das Licht kann so nur und nur vorne heraus und das ein Segment beleuchtet seine Nachbarn nicht mit.
Das hat ganz gut geklappt. Nur sollte man mit dem Lötkolben den Schaumstoff nicht berühren, da es sonst erbärmlich stinkt.
Mit der Verdrahtung wird es in diesem Teil des Projekts endlich technischer. Zusammengezählt ergeben die vier Zahlen, die aus jeweils sieben Segmenten bestehen und die beiden Punkte des Doppelpunkts 30 Leuchtdioden.
Da diese LEDs getrennt angesteuert werden müssen (sonst könnte man logischerweise keine Zahlen darstellen), muss irgendeine Lösung her, da der Mikrocontroller nicht einmal 30 Beinchen insgesamt hat.
Ich habe mich schon früher gewundert, wieso die Digitalanzeige meines Satellitenempfängers gerade noch wahrnehmbar (im Augenwinkel, welcher sowieso bei relativ hohen Frequenzen sensibler ist). Bis mir dann einfiel, dass man wohl nicht für jede Lampe einen Pin des steuernden Mikrochips verschwendet…
Man kann jedes Segment einer Zahl mit den Positionsgleichen Segmenten der anderen Zahlen verbinden. Also verbindet man alle oberen Segmente miteinander, alle mittleren und so weiter.
Damit hat man bisher schon einmal sieben Pins am Mikrocontroller verbaut. Wenn man die Zahlen jetzt ansteuern will, dann funktioniert das zwar, aber da alle Zahlen dasselbe Signal abbekommen, steuert man sie alle gleichzeitig an. Das macht natürlich wenig Sinn.
Jetzt allerdings kommt das Flackern ins Spiel:
Während man zwar alle Zahlen gleichzeitig ansteuert, müssen nicht alle gleichzeitig geerdet sein.
So schließt man einfach alle Segmente einer Zahl an das gleiche Massekabel an. Und nun lässt man den Mikrocontroller steuern, wer wann Anschluss an Masse bekommt.
Da die Leuchtdioden insgesamt zu viel Strom verbrauchen, wäre der Mikrocontroller damit überfordert, die Masse selbst bereitzustellen. Also lässt man diesen Job einfach von Feldeffekt-Transistoren machen.
Auf der anderen Seite der Ansteuerung, die der Einzelsegmente, braucht man keine Transistoren oder ähnliches, da hier sowieso nur eine auf einmal leuchten kann, da ja die Masse nur für ein Segment auf einmal aktiv ist. Das Problem lässt sich also relativ elegant lösen.
Also braucht man nun sieben Pins für die Steuerung der einzelnen Segmente + fünf Pins für die Masse jeder Zahl. Der Doppelpunkt wird als eigenständige Zahl gezählt. Das macht bei der Ansteuerung sowieso keinen Unterschied. Man nennt dieses Prinzip auch “Multiplexing“.
Als nächstes muss natürlich ein Stecker an das Display, so dass man es benutzen kann. Und die Transistoren müssen verbaut werden.
Die Transistoren und den Stecker habe ich auf eine Platine gelötet, die ich zuvor schnell geätzt habe. Da es sich nicht um eine große, komplizierte Sache handelte, ging das mit Edding und Säure.
Um sich gute Ätzbedingungen zu schaffen, schleift man die Kupferseite der Platine am besten gut an, damit der Edding später gut haftet und putzt sie danach mit Benzin, Spiritus oder Aceton. Aceton ist eigentlich das Mittel der Wahl. Hatte ich aber nicht zuhause. Benzin ist billiger als Spiritus. Hatte ich aber auch gerade nicht griffbereit. Mutter hat’s nicht gesehen.
Nachdem die zukünftigen Leiterbahnen schön mit Edding aufgemalt sind, kann man die Platine so in die Säure werfen. Ich habe Eisen-III-Chlorid benutzt. Es ist günstig, ungefährlich, stinkt kaum, aber man sieht nicht, wie weit die Platine mit dem Ätzen ist und muss sie ab und zu herausholen. Außerdem dauert es relativ lang.
Um die Loch-Abstände genau hinzubekommen, nimmt man am besten eine Lochrasterplatine, legt sie auf die geätzte Platine und körnt kleine Löcher als Bohrermarkierung mit einem dünnen Nagel durch die Lochrasterplatine. Dann gibt es später auch keinen Ärger beim Einsetzen des Steckersockels.
Eingelötet und alles zusammengebaut sieht das Ganze dann wie auf den Bildern aus.
Ein kleiner Test durch Anlegen von Spannung an die entsprechenden Pins des Steckersockels zeigte, dass alles funktioniert, wie vorgesehen.
Nun konnte es mit dem Mikrocontroller-Part weitergehen:
Zunächst klappte überhaupt nichts, weil der Mikrocontroller sich bei den einfachsten Rechenoperationen “verrechnet” hat. Zwei Stunden später fand ich heraus, dass ich einen Kondensator vergessen habe, der Spannungsspitzen vor der Spannungsversorgung am Mikrocontroller glättet. Anfängerfehler.
Nach stundenlanger Spielerei klappte es dann endlich. Ich konnte Zahlen darstellen, die vom µC hochgezählt wurden.
Die Darstellung der Zahlen übertrifft sogar meinen Satelliten-Empfänger, denn man sieht es nicht einmal flimmern (Okay, im Youtube-Clip unten flimmert es doch ein bisschen. Aber in der Realität tut es das nicht). Der Kasten, der zuvor noch in Einzelteilen beim Baumarkt lag, zeigt jetzt tatsächlich Zahlen an!
Auf Dauer hat sich alles etwas angehäuft. Es ist praktisch, einen zweiten Schreibtisch nur zum Basteln zu haben.
Mittlerweile ist alles so angeschlossen, dass zur Zeit eigentlich nur weiter programmiert werden muss. Auf dem Mikrocontroller ist zu diesem Zeitpunkt nur ein Programm drauf, das einen Zähler hat, welcher die darzustellende Zahl diktiert.
Als nächstes soll das Programm allerdings auf gedrückte Taster reagieren, welche die Lichtschranken in den Toren simulieren. Wenn ich diese zuhause liegen hätte, dann könnte in der Firma ja niemand vernünftig Tischfußball spielen.
Stunden später funktioniert es prinzipiell. Die einen beiden Taster auf dem Steckbrett simulieren auf Knopfdruck Torschüsse und ein dritter Taster macht den Job des Druckknopfes, der mal in den Kickertisch eingelassen wird.
Okay, wo die Displayansteuerung funktioniert, kann ja alles auf Platine gebannt werden, weil die Hardware ja nun gut genug durchdacht ist. Danach folgen dann noch Schliffe an der Software, wie die automatische Abschaltung.
Die beiden alten Schmitt-Trigger kamen auch auf die neue Platine, damit es eine zentrale Steuerungseinheit im Display gibt und nicht alles irgendwie verstreut ist.
Ein paar Tage nach Fertigstellung der Platinenversion bekam die Software noch den erwähnten Abschalttimer (Eigentlich wird nur das Display abgeschaltet und der Punktstand zurückgesetzt) und eine Aufwachfunktion, so dass ab dem ersten Tor sofort das laufende Spiel mitgezählt wird (Also muss der Mensch nichts tun, um einfach loszukickern). Außerdem gibt das Display blinkend ein “YEAH” aus, wenn ein Tor geschossen wird und der Sound gestartet wird. Beim Einschalten liest man zunächst zwei Sekunden lang “HELO”.
das Ganze macht ja schon fast einen professionellen Eindruck, denn es funktioniert einfach!
Als nächstes sollte die Testphase am Kicker folgen. Ein Laie könnte alles anschließen. Man hängt das Display an die Wand, schließt es an den Strom an und verbindet es über ein normales Netzwerkkabel mit dem Kickertisch. Alleine die Tatsache, dass der Kicker eine Netzwerkbuchse hat, musste noch mit einigem an Vorarbeit gesichert werden. Aber im Endeffekt mussten die Kabel der Lichtschranken und des Soundmoduls nur mit der vorgefertigten Buchse verbunden werden. Gaffa-Tape und Schraubenzieher, sowie Heißkleber haben’s getan.
Nun ja, dank der Tatsache, dass danach tatsächlich alles funktionierte, gibt es hier eigentlich nichts mehr zu sagen. (Okay, doch: Beim nächsten mal teurere, hellere LEDs kaufen!!!)
Im Jahre 2003 habe ich als Zehntklässer ein Schülerpraktikum in einer Firma im Süden Kölns gemacht. Dass den Angaben über meine Kenntnisse in meiner Bewerbung damals kein Glauben geschenkt wird, war mir schon vorher klar. Aber die Aufgaben wurden schnell umfangreicher und komplizierter als das Auspacken von Hardwarelieferungen und der Erstellung von Plänen des Netzwerks für die Administratoren.
Ein paar Jahre später dann, 2008, arbeitete ich wieder in der gleichen Firma. Diesmal von vorne herein als Software-Entwickler. Abgesehen davon, dass das Firmengebäude nun ein neues und größeres war, stand im Arbeitsraum der Software-Entwickler nun ein Tischfußballtisch, oder auch Kicker genannt. Es wurde eigentlich jede Mittagspause und immer wenn Feierabend war intensiv gespielt.
Vor allem fiel mir aber immer dieses Nutella-Gimmick auf, das auf dem Kicker lag: Ein Button mit WM-Sound, der ertönt, wenn man den kleinen Knopf darauf drückt. Man könnte doch irgendetwas machen, um den Sound immer dann ertönen zu lassen, wenn ein Tor fällt…
Also habe ich den Button eines Tages einfach mit nach Hause genommen und auseinandergenommen. Das Innenleben war recht primitiv: Eine kleine Platine mit Knopfbatterien steckte auf ihr drauf, der Knopf diente als Taster und für die Hörbarkeit war ein winziger Lautsprecher angeschlossen.
Die Knopfzellen habe ich durch Batterien mit größerer Kapazität ausgetauscht, so dass sie einige Zeit länger halten. Der Lautsprecher musste ebenfalls weg, denn ihn habe ich durch einen größeren ausgetauscht, der nun über einen primitiven Transistorverstörker ein verstärktes Signal bekam. Und das flache Nutella-Gehäuse wurde dann auch komplett durch ein kleines Boxengehäuse ausgetauscht, so dass die Vergrößerten Innereien gut hereinpassen. Aus diesem Boxengehäuse standen nun noch ein paar Drähte heraus, so dass ich den Taster durch Kontakte in den Toren ersetzen konnte.
Wie realisiert man das, dass zwei Kontakte kurzgeschlossen werden, wenn der Ball ins Tor gerollt ist? Man kann Pappwippen in die Tore einbauen, die mechanisch vom Ball betätigt werden. Klingt nach Kindergarten, funktioniert aber.
Nach einer nicht allzu langen Testphase wurden aber die Mängel der Pappwippen-Methode klar: Sie lösen manchmal überhaupt nicht aus, blockieren den Ball sogar manchmal und wenn jemand ein bisschen zu energisch spielt, dann gibt es Fehlauslöser.
Ein Arbeitskollege scherzte beim nächsten Match: “Bau doch Lichtschranken ein!”. Ich habe das ernst genommen, weil ich nicht wusste, wie man das realisiert, aber es danach sicherlich wissen würde. Also ran.
Der Ball rollt nachdem er erfolgreich ins Tor geschossen wurde über einen Schlauch (Wie die vom Staubsauger) in ein Reservoir, in das man seitlich vom Tisch hineingreifen kann, um ihn herauszuholen und erneut für den nächsten Anstoß aufs Spielfeld werfen kann.
Wenn der Ball dort hindurch rollt, dann kann man mit 100%iger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass ein Tor gefallen ist.
Also habe ich Leuchtdioden seitlich in die Schläuche eingebaut, die im Infrarotspektrum des Lichts leuchten. In der jeweils entgegengesetzten Wand des Schlauchs steckte dann eine Photodiode, die im gleichen Spektrum empfindlich ist.
Soweit die Theorie im Kopf eines Amateurs – in meinem Kopf also.
Später stellte sich beim praktischen Loswerkeln heraus: Der Durchmesser des Schlauchs ist viel größer als der des Balls. Vielleicht würde der Ball manchmal nicht genau mittig durch den Schlauch rollen? Die Lichtschranke würde dann vielleicht nicht anschlagen.
Die gute Nachricht: Eine Messung ergab: Egal wie der Ball durch den Schlauch rollt, es gibt immer die gleiche Spannungsänderung an der Photodiode.
Die schlechte Nachricht: Die Messung ergab auch, dass die Spannungsänderung verdammt schwach ist. Konkret: Die Photodiode hat entweder einen unendlich hohen Widerstand (Ball verdeckt sie gerade) oder einen Widerstand von drei Mega Ohm.
Also war erst einmal eine ausgedehnte Runde Theorie nötig. Aber das ist es schließlich, weswegen ich die Idee mit der Lichtschranke ernst nehmen wollte: Wissen.
Im Internet stieß ich auf den so genannten Schmitt-Trigger, mit dem man kleine Spannungsunterschiede mittels wenigen billigen Bauteilen verstärken kann. Nach viel Experimentiererei am dem Steckbrett funktionierte es tatsächlich. (Schaltplan des Schmitt-Triggers)
Der Widerstand am Ausgang der Schaltung war jetzt unendlich groß oder lag bei gerade mal 300 Ohm. Damit konnte man nun perfekt den Taster am Soundmodul ersetzen. Beziehungsweise die nun obsoleten Pappwippen, die den Taster bereits ersetzt haben.
Wenn die Schaltung auf dem Papier logisch aussieht und auf dem Steckbrett schlichtweg funktioniert, dann hat man eigentlich garkeine Lust mehr, jetzt noch den Lötkolben auszupacken und sich auszudenken, wie man das Ganze denn auf Platine gebannt kriegt. Andererseits hätte das womit ich mich da beschäftigte keinen Sinn gemacht, wenn nicht auch ein vorzeigbares Resultat dabei herausspringt.
Der Schmitt-Trigger musste doppelt vorhanden sein. Für jedes Tor jeweils einmal. Hätte man beide Tore an nur einen angeschlossen, dann wäre der Gesamtwiderstand beider Tor-Dioden kleiner als der niedrigste Widerstand den eine einzelne Photodiode haben könnte. Dabei soll er ja unendlich groß sein, wenn ein Tor fällt – was unmöglich wäre. Ein Test mit Dioden war hoffnungslos, also mussten es tatsächlich zwei Schmitt-Trigger sein.
Am Ende passte alles schön in die Minibox und ich nahm sie mit zur Arbeit. Direkt nach Feierabend packte ich meinen Rucksack aus und erntete schon erste Kommentare: “Na, McGyver, haste schön zuhause gebastelt?”
Tja, sowas muss man sich dann eben anhören, wenn man seine Zeit in den Augen anderer verschwendet.
Die Kommentare verstummten plötzlich als alles funktionierte. Ha.
Die Lichtschrankenkonstruktion erwies sich als perfekt: Egal wie fest man gegen den Tisch tritt oder wie heftig man an den Stäben riss: Es gab nie Fehlauslöser.
Mein letztes Bangen drehte sich um die Fehlerquote bei erfolgten Toren. Jedoch zeigte sich: Egal, wie oft ich es testete, Torschüsse lösten immer den Sound aus. Eine perfekte Zuverlässigkeit!
Irgendwie war das motivierend. Sehr motivierend sogar. Ich beschloss, fünf Euro von jedem Arbeitskollegen einzusammeln, der bereit war, sie mir für ein Nachfolgeprojekt zu geben und loszubasteln.
Die Entwicklung des Nachfolgeprojekts folgt dann im zweiten Teil. Das erste Foto in diesem Artikel verrät schon das Resultat…
Gerade eben habe ich gemerkt, dass man beim Safari-Browser nicht immer Apfel+T drücken muss, um eine neue Seite aufzumachen, sondern man kann einfach die gewünschte Adresse in die Adressleiste eingeben und Apfel+Enter drücken.