Reparatur eines Brutkastens
Die Eltern meiner Freundin wohnen auf dem Land und halten sich allerlei Tiere: Esel, Kaninchen, hin und wieder Enten, Ziegen, eine Katze und Hühner. Es ging vor allem um letztere als sie mich fragten, ob ich ihren Brutkasten reparieren könnte.
Der Brutkasten ist einfach ein großer Kasten aus Holz mit einer Schublade auf der letztendlich die auszubrütenden Eier liegen. Darüber ist ein Heizdraht gespannt, welcher einfach an die Netzspannung angeschlossen ist. Zwischen Netzspannung und Heizdraht schließt allerdings noch ein mechanisches Thermostat den Stromkreis, welches mit einem Stück Bimetall einfach die Stromzufuhr kappt wenn die Temperatur zu hoch ist. Das scheint in dieser Form eine Ewigkeit lang funktioniert zu haben und hat nun doch noch den Geist aufgegeben.
Die Reparatur-Idee ist einfach: Man ersetzt das mechanische Thermostat durch ein elektronisches. Da eine primitive Lösung ausreichen sollte, habe ich einfach eine Schaltung ohne Mikrocontroller und Schnickschnack um einen Operationsverstärker herum-entworfen. Die Präzision der Bauteile ist sehr unkritisch.
Der Operationsverstärker bekommt auf den nichtinvertierenden Eingang die Stellgröße für die Temperatur in Form einer Spannung, die mit einem Spannungsteiler eingestellt wird. Auf den invertierenden Eingang des Operationsverstärkers wird dann wiederum die Spannung eines Spannungsteiler gegeben, dessen oberer Widerstand ein temperaturabhängiges NTC-Bauteil ist. Dieses Bauteil ist der Temperaturfühler, dessen elektrischer Widerstand sich mit steigender Temperatur senkt. Dies führt dazu, dass der Ausgang des OPs abschaltet, wenn die Temperatur zu hoch ist und die Spannung auf dem invertierenden Eingang über die des nichtinvertierenden Eingangs steigt.
Nun könnte man einfach einen Transistor mit diesem Ausgangssignal betreiben, welcher wiederum ein Relais steuert, welches wiederum in Serie zum Heizdraht geschaltet ist. Das würde funktionieren, aber eventuell würde es das Relais auf Dauer zerstören, zumal diese Schaltung in sehr kurzen Zeitabständen ständig hin- und her schalten würde.
Um die Intervalle, in denen hin- und her geschaltet wird also zu verlängern und damit die Lebensdauer des Relais zu verbessern, kann man einfach unter den Spannungsteiler den der Benutzer auf die richtige Temperatur einstellt, einen weiteren Widerstand in Serie schalten (nicht zu groß) und dazwischen das Ausgangssignal des Operationsverstärkers zurückführen.
Obwohl ich dabei überhaupt nichts berechnet habe und die Bauteildimensionen einfach von mir nach Gefühl gewählt wurden, zeigt der Test mit dem NTC über dem Toasterschlitz, dass es hervorragend funktioniert: Die Steuerung hat nun die Charakteristik eines Schmitt-Triggers wie er auch in Kühlschränken, elektrischen Heizungen usw. verwendet wird.
Zu beachten ist vor allem auch die sogenannte Freilaufdiode, die die Schaltung vor Spannungsspitzen schützt, die aufkommen, wenn das Relais ständig ein- und wieder abgeschaltet wird. Sie ist parallel in Sperrrichtung zum Relais geschaltet. (Siehe Schaltplan)
Später beim Einbau ist wichtig, dass der Temperaturfühler in etwa zwischen den Hühnereiern liegt und nicht irgendwo “versteckt” ist, da er genau die gleiche Temperatur abbekommen muss, wie die Eier selbst auch. Die Steuerplatine darf natürlich irgendwo angebracht sein. Da ich keine Ahnung von Hühnern habe, habe ich es den Eltern überlassen, die Temperatur korrekt einzustellen – die Stellschraube des Spannungsteilers ermöglicht das ganz einfach.
Nun musste nur noch die Hoffnung erfüllt werden, dass der Toaster als Testobjekt die Realität gut genug simulieren konnte. In letzter Zeit wurden allerdings wieder Eier von den Hühnern gebrütet und auf die letzten drei Eier hatte die Henne keine Lust mehr, weshalb meine Schaltung direkt getestet werden konnte. Wie die Bilder beweisen, funktioniert sie!


























